Mit der Gruppenpsychotherapie steht mir ein sehr erfolgreiches Therapieverfahren zur Verfügung, das ich je nach Indikation sowohl als alleinige Therapieform als auch in Kombination mit einer Einzeltherapie anbiete. Gerade die Kombination beider Settings, bei der der Schwerpunkt auf der Gruppentherapie liegt, verbindet die besonderen therapeutischen Möglichkeiten der Gruppe mit den Möglichkeiten des Einzelsettings und kann zugleich einen früheren Einstieg in eine psychotherapeutische Behandlung ermöglichen.
Schon in meiner klinischen Ausbildung gehörte Gruppenpsychotherapie ganz selbstverständlich zum Behandlungskonzept. In den Anfangsjahren meiner eigenen Praxis habe ich das Gruppenkonzept zunehmend in die Abläufe meiner Praxis integriert. Je mehr ich damit arbeitete, desto mehr überzeugten mich die Wirksamkeit und die besonderen therapeutischen Möglichkeiten dieses Settings. Heute ist die Gruppenpsychotherapie ein fester und selbstverständlicher Bestandteil meiner therapeutischen Arbeit und inzwischen laufen regelmäßig vier bis fünf verschiedene Gruppen parallel.
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass dieses Therapieverfahren ausschließlich speziell ausgebildeten und zugelassenen Psychotherapeuten/-innen zur Verfügung steht und, anders als oftmals geglaubt, keinesfalls die Therapie eines Einzelnen in einer Gruppe ist, sondern vielmehr ein hochwirksames, Einzeltherapien oftmals überlegenes, eigenständiges therapeutisches Instrument darstellt.
Die Therapie in einer Gruppe macht sich zunutze, dass das Aufnehmen von Beziehungen zu anderen Menschen für uns ein wichtiges menschliches Grundbedürfnis darstellt. Das Streben nach der Zugehörigkeit zu einer Gruppe scheint uns angeboren zu sein. Wenn wir Bindungen zu anderen Menschen eingehen, sind wir besser in der Lage, mit den Anforderungen und Schwierigkeiten des Alltags fertig zu werden. Einer Gruppe anzugehören, macht uns zu etwas Besonderem. Teil einer Gruppe zu sein, hilft uns, unsere Position und Funktion im Leben zu finden.
Gruppentherapien sind hocheffektiv. Deshalb verzichtet auch keine Klinik auf dieses therapeutische Potenzial in ihren Behandlungskonzepten.
Gruppentherapien bieten sich besonders dann an, wenn die Schwierigkeiten eines Einzelnen gut durch die zwischenmenschliche Begegnung in der Gruppe zu überwinden sind.
Im Miteinander zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Gruppe können Verhaltensmuster, die das Alltagsleben bestimmen und Probleme aufrechterhalten, sowie ihre Entstehungsquellen aufgedeckt und bewusst gemacht werden.
In der Gruppensituation lassen sich eigene Gefühls-, Denk- und Verhaltensmuster im anderen wiedererkennen. Dies wirkt wie ein Spiegel, in dem man sich mit seinen Schwierigkeiten aus einer völlig neuen Perspektive betrachten kann. Ich stehe als Klientin oder als Klient nicht mehr im Fokus einer Therapie, sondern erlebe bei einer anderen Klientin oder bei einem anderen Klienten ganz ähnliche Schwierigkeiten, wie ich sie habe. Gleichzeitig kann ich erleben, dass andere – manchmal sogar bei genau denselben Schwierigkeiten – Lösungen und Antworten gefunden haben, auf die ich selbst bisher nicht gekommen bin. Sich selbst im Gegenüber zu erkennen, kann auch dazu führen, das eigene Verhalten und dessen Wirkung auf andere besser zu verstehen. Neue Bewältigungsstrategien werden erkennbar und wichtige Erkenntnisse lassen sich gewinnen.
So kann eine einzelne Person durch die Gruppe und die Gruppe durch die individuellen Beiträge des Einzelnen profitieren.
Und nicht zuletzt ist es beruhigend, zu erkennen, dass man nicht alleine mit seinen Problemen dasteht, sondern dass auch andere mit den gleichen oder ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Daraus entsteht langfristig ein Gemeinschaftsgefühl und die Motivation, einander zu unterstützen.
„Alleine schon das Wissen darum, dass man nicht die Einzige auf der Welt ist, die Probleme hat, ist eine wahnsinnige Entlastung und eine unendlich hilfreiche Erfahrung, die ganz viel mit einem macht.“ (Zitat einer Klientin)
Ob für Sie eine alleinige Gruppenpsychotherapie oder eine Kombinationsbehandlung aus Einzel- und Gruppenpsychotherapie mit Schwerpunkt Gruppentherapie infrage kommt, klären wir in einer der Therapie vorausgehenden Sprechstunde, in der ich die Indikation, Ihre Anliegen und meine Möglichkeiten überprüfe.
Gelegentlich sehe ich mich mit der Unsicherheit konfrontiert, ob eine Gruppenpsychotherapie auch für die jeweilige Klientin oder den jeweiligen Klienten infrage kommt. Dass sich diese Frage stellt, ist für mich verständlich und gut nachvollziehbar. Obwohl die Gruppenpsychotherapie auf eine inzwischen mehr als hundertjährige Geschichte zurückblickt, ist die klassische Vorstellung von Psychotherapie bis heute wesentlich durch das Einzelsetting geprägt. Moderne Behandlungskonzepte nutzen dagegen ganz bewusst die unterschiedlichen Wirkfaktoren verschiedener Settings. Gruppenpsychotherapie ist bei vielen Störungsbildern mindestens ebenso wirksam wie Einzeltherapie, eröffnet aber darüber hinaus therapeutische Möglichkeiten, die im konventionellen Zweiersetting nicht entstehen können.
Möglicherweise fällt es Ihnen leicht, sich auf andere Menschen, ihre Erfahrungen und Sichtweisen sowie auf das Miteinander und die Dynamik einer Gruppe einzulassen. Vielleicht kostet Sie dieser Schritt aber auch Mut und Überwindung – etwa weil Scham, Furcht vor Bewertung, soziale Unsicherheit oder andere zwischenmenschliche Schwierigkeiten eine Rolle spielen. Gerade dann aber kann bereits die Entscheidung selbst, sich dennoch auf eine Gruppenpsychotherapie einzulassen, schon eine wichtige, positive und nachhaltig stärkende therapeutische Erfahrung sein.
Ich habe es in all den Jahren noch nie erlebt, dass neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer meiner Gruppen nicht offen und herzlich aufgenommen wurden. Gerade in den offenen Gruppen sind immer Menschen dabei, die selbst einmal neu waren und sehr genau wissen, wie viel Überwindung dieser erste Schritt kosten kann. Mir ist wichtig, dass dabei niemand allein bleibt, und ich achte darauf, dass neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer gut in die Gruppe hineinfinden. Es freut mich jedes Mal aufs Neue, wie selbstverständlich, herzlich und unkompliziert Neue einbezogen und willkommen geheißen werden.
Formelles: Voraussetzung für die Teilnahme ist bei gesetzlich Versicherten die Genehmigung der Gruppenpsychotherapie durch die Krankenkasse.
Wie bei jedem Neubeginn kann sich auch das erste Mal in einer Gruppe ungewohnt anfühlen, insbesondere dann, wenn Sie keine Erfahrung mit Gruppenpsychotherapie haben. Ich kann diese Unsicherheit gut verstehen – und ich erlebe sie bei fast allen, die neu in eine meiner Gruppen kommen.
Vielleicht gehen Ihnen dabei ähnliche Fragen durch den Kopf wie: Wie soll ich mich verhalten? Was wird von mir erwartet? Muss ich gleich etwas Persönliches von mir erzählen oder etwas von mir preisgeben? Wie werden wohl die anderen auf mich reagieren? Wird mich die Gruppe überhaupt akzeptieren und werde ich dort einen Platz finden?
Zunächst einmal dürfen Sie sich dabei durchaus zurücknehmen und einfach nur zuhören. So können Sie beobachten und miterleben, wie die anderen miteinander, mit sich selbst und mit ihren Themen umgehen. Es ist überhaupt nicht erforderlich, sich sofort aktiv einzubringen oder gar von sich selbst und den eigenen Schwierigkeiten zu berichten.
Meine Erfahrung ist, dass irgendwann jede Klientin und jeder Klient ganz von selbst an den Punkt kommt, an dem sie oder er sich selbst einbringen möchte – vielleicht zunächst nur mit einem eigenen Gedanken oder einem Rat aus der eigenen Erfahrung heraus zu einem Thema einer anderen Person, bevor dann auch eigene Themen ihren Platz in der Gruppe finden.
Ist man dann in der Gruppe angekommen und möchte sich mit seinen eigenen Themen einbringen, kann man selbst entscheiden, was man erzählen und worüber man sprechen möchte. Man bestimmt dabei auch, wie weit man gehen und was man zunächst noch für sich behalten möchte.
Gerade wenn man zum ersten Mal ein eigenes Anliegen in die Gruppe einbringt, kann man erleben, wie wertvoll und unterstützend die Gedanken und Rückmeldungen der anderen sein können. Ich erlebe immer wieder, dass gerade dieser erste Schritt mit einem eigenen Thema als entlastend, manchmal sogar als befreiend und therapeutisch sehr wertvoll erlebt wird.
Manchmal kann es sogar noch wichtiger sein, die Erfahrung zu machen, dass man sich durch die eigenen Beiträge zu den Schwierigkeiten anderer plötzlich ganz anders erleben kann. Dabei kann man eigene Kompetenzen und Fähigkeiten entdecken, die man gar nicht für möglich gehalten hätte oder derer man sich bisher überhaupt nicht bewusst war, und erleben, dass man damit einem anderen Gruppenmitglied bei einer ganz konkreten Schwierigkeit weiterhelfen kann. Man erlebt sich nicht mehr nur als hilflose oder hilfebedürftige Person, sondern ganz im Gegenteil als jemand, der für andere Menschen eine wichtige Stütze und Hilfe sein kann.
Meine Gruppen bestehen in der Regel aus fünf bis neun Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Einige Gruppen finden wöchentlich, andere zweiwöchentlich statt. Daneben gibt es sogenannte Monatsgruppen. Diese werden in der Regel von Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht, die bereits über längere Zeit in anderen Gruppensettings miteinander gearbeitet haben, sich als Gruppe gut kennen, therapeutisch viel voneinander profitieren konnten und die gewachsene Gruppe in größerem zeitlichen Abstand weiterführen möchten. Bei meinen Gruppen handelt es sich um sogenannte offene Gruppen, sodass im Verlauf immer wieder einmal jemand die Gruppe beendet und jemand Neues hinzukommt. Ein Ausstieg erfolgt häufig dann, wenn das von der Krankenkasse bewilligte Kontingent an Gruppentherapie ausgeschöpft ist. Manche erleben die Gruppe allerdings als so hilfreich, dass sie anschließend auf Selbstzahlerbasis weiter teilnehmen möchten. Mir ist dabei wichtig, dass daraus kein ständiger Wechsel entsteht und die Zusammensetzung der Gruppe nicht fortlaufend durcheinandergerät. Eine Gruppe braucht Zeit, um zusammenzufinden. Verlässlichkeit, Beständigkeit und regelmäßige Anwesenheit sind dafür wichtige Voraussetzungen, damit sich eine gute Arbeitsgruppe und eine therapeutisch funktionale Gemeinschaft entwickeln können. Deshalb lege ich großen Wert darauf, dass die Teilnahme an der Gruppe verbindlich ist und vereinbarte Termine möglichst regelmäßig wahrgenommen werden.
Nicht selten entstehen aus solchen Gruppen sogar Kontakte, die über den therapeutischen Rahmen hinaus weiterbestehen. Manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich auch privat regelmäßig und erleben diese Beziehungen ganz abseits von therapeutischen Fragen und Anliegen als eine zusätzliche Bereicherung ihres Lebens.
Auch in der Gruppenpsychotherapie kommen unterschiedliche Verfahren und Techniken zur Anwendung. Hier möchte ich beispielsweise den verhaltenstherapeutischen Ansatz mit seinen Problem- und Verhaltensanalysen nennen. Rollenspiele, Videoaufnahmen, Übungen zur Körperwahrnehmung oder Entspannungsreisen sind weitere Bausteine.
Daneben können aber auch Elemente aus zusätzlich erworbenen Weiterbildungsqualifikationen zur Anwendung kommen. Anwendung finden z. B. Elemente der Systemischen Therapie, des Psychodramas, der ACT (Akzeptanz- und Commitmenttherapie), der Schematherapie sowie auch Techniken der Hypnotherapie.
Im Vordergrund steht dabei immer die Aktivierung und Erweiterung eigener, in allen Menschen vorhandener Fähigkeiten (Ressourcen), um individuelle Lösungen und neue Gedanken zu finden, damit zukünftig das Leben in der gewünschten Weise selbstwirksam gelebt werden kann.
Die Rolle von Kerstin Beschorner
Moderatorin, Expertin, aber auch Begleiterin und Lenkerin durch die Inhalte und Themen der Gruppe.
Keine Manual- oder Standardverfahren, sondern eine auf der jeweiligen Zusammensetzung und Dynamik der Gruppe beruhende, individualisierte und angepasste Therapie.