Wer kennt nicht diese besonderen Zustände, in denen wir um uns herum alles zu vergessen scheinen?
Kinder, die ins Spiel vertieft, selbst- und zeitvergessen nicht hören, wenn sie zum Essen gerufen werden oder Sportler, die sich mithilfe ihrer Mentaltrainer bis an ihre Grenzen verausgaben und Höchstleistungen vollbringen und dabei nicht mitbekommen, was um sie herum geschieht.
Oder wir selbst, die mal wieder, ganz konzentriert auf unsere momentane Tätigkeit, nicht mitbekommen, dass es seit Minuten an der Tür Sturm klingelt.
Das Abtauchen in einen Film oder ein Buch oder das Realisieren, dass mal wieder die Zeit wie im Flug vergangen ist – das alles sind hypnotische Zustände, Zustände der besonderen Konzentration und Vertiefung.
Wir alle kennen diese Zustände und beschreiben sie manchmal als sogenannte Tagträume oder als „flow“ – Hypnotherapeuten verwenden dafür den Begriff der Trance.
Unter anderem mit diesen Zuständen arbeitet die Hypnotherapie. Sie ist eine hocheffektive, wissenschaftlich vielfach überprüfte, lösungs- und ressourcenorientierte Psychotherapieform. Sie ermöglicht, passende, individuelle Lösungen zu finden und angestrebte Ziele zu erreichen. Hypnotherapie kann bei den unterschiedlichsten Störungen zur Anwendung kommen, wie beispielsweise bei Depressionen, Burn-out oder Ängsten, aber auch bei psychosomatische Störungen (z. B. Schmerzen) oder anderen Fragestellungen. Sie zeigt sich effektiv bei der Bewältigung von Traumata und hilft bei Trauer und Verlust.
Wenn ich von meiner Arbeit als Hypnotherapeut erzähle, spüre ich meist eine interessierte Neugier und Faszination bei meinem Gegenüber, nehme aber gelegentlich auch eine Art Attraktion des Grauens wahr, einen leichten Schauer des Grusels.
Nicht selten stoße ich auch auf eine gehörige Portion Skepsis und spüre ein Misstrauen, das sich wohl am besten mit den dann manchmal geäußerten Worten beschreiben lässt: „Ich glaube, das wäre nichts für mich.“ „Da hätte ich Angst, die Kontrolle über mich zu verlieren.“ Oder: „Da werde ich zu etwas gebracht, was ich gar nicht will“.
Wir alle haben mehr oder weniger klare Bilder von Hypnose in uns. Oft sind diese leider geprägt von Bühnenshows, in denen Menschen scheinbar die Kontrolle über sich selbst verlieren und peinliche Dinge tun, die sie wohl niemals täten, wenn sie nicht (gegen ihren mutmaßlichen Willen) manipuliert würden und die danach keine Erinnerung an das zu haben scheinen, was sie vor Kurzem taten. Das ist Showhypnose, die im schlimmsten Fall Traumatisierungen reaktivieren kann und somit potenziell schädlich ist. Das hat absolut nichts mit Hypnotherapie zu tun!
Und, um es ganz klar zu sagen, die Hypnotherapie gehört in die Hand von ausgebildeten Therapeuten und nach denen sollten Sie sich umschauen, wenn Sie denken, dass das Verfahren der Hypnotherapie für Sie infrage kommt.
An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es auch eine klassische Hypnosebehandlung gibt, die bereits seit dem Altertum bekannt ist und die im 19. Jhd. auch wissenschaftlich untersucht wurde und das Interesse namhafter Persönlichkeiten und Ärzte (u. a. Sigmund Freud 1885) weckte. Diese klassische Hypnosebehandlung, die sich sogar heute noch in den Gebührenordnungen der Ärzte und Psychotherapeuten findet, in der Klienten mittels Hypnose und Suggestionen durch den Therapeuten zu einem bestimmten Verhalten gebracht werden sollen, muss ganz klar zur modernen Hypnotherapie abgegrenzt werden.
Hypnose und moderne Hypnotherapie unterscheiden sich erheblich. Wie man heute weiß und was sich in der Forschung z.B. mittels Neuroimaging-Verfahren (z. B. funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) oder durch Positronen-Emissions-Tomografie (PET) eindeutig zeigen lässt, sind Hypnose und moderne Hypnotherapie vollkommen unterschiedliche Verfahren, die sich nicht nur in ihrer Wirkweise erheblich voneinander abgrenzen.
Viele Vorurteile, aber auch sogenannte „Kontraindikationen“ entstammen dieser veralteten und heute weitgehend verlassenen klassischen Hypnosebehandlung – was leider manche „Therapeuten“ nicht davon abhält, diese noch immer zu praktizieren. Die 90er Jahre sind angefüllt mit Verfahren gegen Hypnosetherapeuten, die Scheinerinnerungen in ihren Klienten wachriefen und ihnen Dinge suggerierten, die ihnen tatsächlich nie widerfahren sind.
In den Händen eines gut ausgebildeten Therapeuten, der sich die Hypnotherapie in einer umfassenden zusätzlichen Ausbildung als weiteres therapeutisches Verfahren angeeignet hat, hat die moderne Hypnotherapie nichts mit den Phänomenen einer Showhypnose zu tun. Auch direkte manipulative Suggestionen, die die klassischen Hypnotiseure anwenden, werden in der modernen Hypnotherapie nicht verwandt.
Die moderne Hypnotherapie – insbesondere die nach Milton Erickson – ist vollkommen anders: Hier werden Menschen ermächtigt und es ist eine Therapie auf Augenhöhe. Einer meiner Ausbilder wird nicht müde zu behaupten, dass in der Hypnotherapie der eigentliche Experte der Klient ist und der Therapeut seinen Klienten lediglich mit therapeutischem Fachwissen begleitet.
Klienten der Hypnotherapie finden eigene neue Möglichkeiten (selbst wenn sie davon überzeugt sind, schon alles probiert und gemacht zu haben), um ihre Schwierigkeiten anzugehen und entdecken ihr inneres Potenzial. Eine Therapie auf Augenhöhe, bei der der Klient im Zentrum und der Therapeut unterstützend zur Seite steht. Sie haben zu jedem Augenblick die vollkommene Kontrolle über alles, was sie tun oder sagen. Meine Klienten sind stets diejenigen, die die Inhalte vorgeben und in denen die Bilder und Ideen ganz von selbst, aus sich selbst heraus entstehen. Ich nehme diese Vorgaben meiner Klienten auf und folge Ihnen und begleite sie ggf. durch eine Trance. Selbstverständlich biete ich auch immer an, die Sitzungen auf Video aufzuzeichnen, um auch den kleinsten Zweifel zu entkräften.
Aber – Hypnotherapie und hypnotherapeutische Interventionen benötigen oftmals gar keine Trance. Die hypnotherapeutische Arbeit setzt keinesfalls immer eine Trance voraus.
Meine erste eigene Erfahrung mit Hypnotherapie machte ich im Rahmen meiner Ausbildung: Wir waren aufgefordert, aneinander das soeben erlernte auszuprobieren. Thema war die Aktivierung von in uns selbst vorhandene Ressourcen – jene Eigenschaften und Fähigkeiten, die uns Ziele verfolgen lassen oder die uns ermöglichen, Anforderungen zu bewältigen oder spezielle Handlungen auszuüben.
In meiner ersten Trance-„Behandlung“, der ich nicht ohne Ambivalenz gegenüber stand, durfte ich eine faszinierende Erfahrung machen, deren Ergebnis mich eine Woche lang in einer Art „Größenwahn“ durch meinen Alltag trug:
Als Vater von damals noch 2 Kleinkindern schilderte ich meine Problematik so, dass ich mich immer wieder mal mit meiner Geduld meinen Kids gegenüber „am Rand“ fühlte. Was ich dagegen gerne gehabt hätte, wäre weniger „genervt“ zu sein und gelassener durch den Alltag zu gehen.
Gespannt sah ich den kommenden Minuten entgegen. Ich wollte neugierig darauf sein, welche Lösungen ich finden und welche Erfahrungen ich machen würde.
In Trance, auf die ich beschloss, aktiv einzugehen und auf die ich mich gerne einließ (Sie erinnern sich? Nichts geschieht in der Hypnotherapie gegen den Willen eines Menschen!), zeigte sich schnell, dass ich die Vorstellung hatte, dass mir mehr Kraft und Energie helfen würden. Also konzentrierte ich mich mithilfe meines „Behandlers“ ganz auf diese Stärken, die in mir, wie in jedem Menschen, existierten und war plötzlich in der Lage, diese Ressourcen in meinem Körper zu spüren. Mein Brustkorb weitete sich, meine Atmung wurde tief und ich hatte das Gefühl, von einer ungeheuren Energie durchströmt zu werden und konnte diese auch ganz deutlich in meinem Körper spüren.
Das Ergebnis meiner „Hypnotherapie-Behandlung“ war faszinierend und unglaublich. Sofort, nachdem ich meinen Trancezustand verlassen hatte, realisierte ich, dass die in der Trance empfundenen Phänomene keineswegs verschwunden waren, sondern weiter anhielten und sich ganz real anfühlten. Voller Tatendrang, Energie und Kraft begab ich mich nach dieser Übung in die Mittagspause – natürlich, skeptisch wie ich war, darauf wettend, dass all der Humbug in wenigen Minuten verflogen sein würde.
Tja, was soll ich sagen: Es war, wie eingangs beschrieben: Ich fühlte mich großartig, hatte in den kommenden Tagen nicht eine Minute, in der ich mich meinem Alltag nicht mehr als gewachsen fühlte und nein – es gab tatsächlich keinen Moment des Genervt-Seins oder Geduld-Verlierens mit den Kids.
Natürlich hat diese Trance-Behandlung keine Probleme gelöst oder Ursachen meiner Dünnhäutigkeit aufgedeckt. Diagnose und Behandlung durch Hypnotherapie waren ja aber auch erst Bestandteil der Fortgeschrittenen-Ausbildung.
Meine Ressourcen jedoch, meine in mir vorhandenen Stärken, die konnte die Hypnotherapie schon in den Händen eines Anfängers wunderbar mobilisieren.
Und wenn ich so recht überlege, sind wir eigentlich alle irgendwie Experten in Sachen Hypnose und Hypnotherapie: Schließlich haben wir alle schon Erfahrungen mit hypnoseartigen Trancezuständen gemacht.
Was uns möglicherweise fehlt, ist jemand, der uns dabei hilft, diese Form der psychotherapeutischen Arbeit gezielt anzuwenden. Besonders hilfreich wäre dabei ein Therapeut, der weitere Therapieverfahren beherrscht, die ihn befähigen, nicht nur Ressourcen zu aktivieren, sondern einem Klienten darüber hinaus ermöglicht, die Ursachen für seine Schwierigkeiten zu finden und diese dann kompetent zu bewältigen.
Wann ist Hypnotherapie hilfreich und welche Indikationen gibt es?
In der Psychotherapie und in den Beratungen begegnet man den Themen Selbstwert, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein und somit auch der eigenen Wertschätzung sehr häufig. Nur allzu oft finden sich Überzeugungen wie: „nicht wertvoll genug“ zu sein, „etwas nicht gut genug zu können“ oder „etwas nicht wert zu sein“.
Bei einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten, wie z. B. Depressionen, Ängsten, sexuellen Störungen oder aber auch in zwischenmenschlichen Interaktionen, spielen die Gefühle des Schämens und der Peinlichkeit eine große Rolle. Sie spielen eine wichtige Rolle im sozialen Miteinander und sind stets präsent, wenn es um Zugehörigkeiten oder Verhalten geht. Gefühle von Scham oder Peinlichkeit können extrem hinderlich sein und lösen großen Stress aus.
Schuldgefühle – was für ein Thema! Sofort versetzt mich diese Überschrift in das Leben des Rodion Romanowitsch Raskolnikow, Protagonist des Romans „Schuld und Sühne“ von Fjodor Dostojewski. Eine Erzählung, in der es nicht nur in der Haupthandlung um die Schuld- und Sühne-Thematik geht, sondern in der auch die Nebenhandlungen durch ergänzende und ähnliche Inhalte mit der Haupthandlung eng verwoben sind.
Genauso wie Raskolnikow, leiden Menschen mit Schuldgefühlen oft unter ganz ähnlichen Symptomen, wie permanentem Stress und Überforderung. Schlaflosigkeit und sexuelle Störungen können Folge sein. Eine Schuldthematik kann sozialen Ängsten, Zwängen oder persönlicher Erfolglosigkeit zugrunde liegen.
Depressionen gehören neben Ängsten mit zu den am häufigsten zu behandelnden Symptomen in der Psychotherapie. Zudem gibt es immer mehr Menschen, die einen Burn-out erleben. Diese Betroffenen leiden sehr stark, sehen aber oft keine Möglichkeit, ihre Lebensumstände zu ändern. Auch erkennen sie oft nicht den Zusammenhang ihrer Symptomatik mit ihrer Lebenssituation oder ihrer Biografie. Viel zu oft machen diese Menschen die Erfahrung, dass eine konventionelle Therapie oder eine medikamentöse Behandlung (ein sehr spezielles Thema, bei dem es sich lohnt, ganz genau hinzuschauen) nichts bringt. Hier nur soviel: Wichtig ist das Verständnis, dass eine Depression fast immer eine positive, sehr hilfreiche Symptomatik darstellt. Sie ist eine durchaus sinnvolle Vermeidung, weiterhin belastende Minusgeschäfte zu machen oder ist eine wertvolle Notfallreaktion.
Verluste, seien es z. B. der Tod eines Elternteils oder der einer für uns wichtigen Bezugsperson, sei es der Tod eines Kindes oder sei es der Verlust unserer körperlichen Unversehrtheit oder eines wichtigen Lebensinhalts – Verluste wiegen schwer. Menschen, die ein Verlustereignis durchleben müssen, brauchen manchmal besondere Hilfe.
Auch die Behandlung akuter oder chronischer psychosomatischer Störungen gehört zur Domäne der Hypnotherapie. Hier gibt es mannigfaltige Behandlungsfelder – nicht nur die klassischen Themen des akuten oder chronischen Schmerzes. Neugierig geworden? Schauen Sie doch einfach mal bei hypnose.de vorbei.
Die Arbeit mit Personen, die schwere Traumata wie z. B. einen sexuellen Missbrauch erlebt haben, gehört ebenfalls zum Arbeitsfeld der modernen Hypnotherapie. Während für die klassische Hypnosebehandlung ein Trauma zu den Kontraindikationen zählt und Showhypnosen sogar in der Lage sind, Menschen zu retraumatisierten, hat sich die Hypnotherapie zur Behandlung von traumatisierten Klienten bewährt.
„Keine Höchstleistungen, kein Hochleistungssport ohne Mentaltrainer“. Ein Zitat meines wichtigsten Ausbilders Ortwin Meis, Leiter der Regionalstelle Hamburg des Milton Erickson Instituts. Menschen sind in der Lage, auf sich selbst Einfluss zu nehmen und sich selbst zu steuern. Es gelingt ihnen aber leider auch gut, sich selbst im Wege zu stehen und sich zu behindern. Optimale Leistung bringen, dann, wenn es wichtig ist. Ressourcen aktivieren, wenn man sie braucht. Schwellen überschreiten, Ziele erreichen.
Sicherlich wundert es Sie nicht, dass wir im Alltag weitgehend die Chancen, die dieser Bereich möglich macht, nicht nutzen. Aber wussten Sie, dass in Schweden mentales Training ein Wahlfach in der Schule ist?
Voraussetzungen
Wenn Sie sich nun fragen, ob auch Sie von Hypnotherapie profitieren könnten und ob es einer besonderen Voraussetzung bedarf, um durch eine hypnotherapeutische Behandlung einen Nutzen zu erfahren, dann dürfen Sie neugierig sein, welche neuen Gedanken Sie mithilfe der Hypnotherapie finden werden und welche Veränderungen sich einstellen werden.
Dabei ist es nicht nötig, sich jetzt schon, vor unserer Zusammenarbeit, mit der Frage zu beschäftigen: „Nur mal angenommen, Ihr Problem sei zu Ihrer Zufriedenheit gebessert, oder Sie würden am Ende unserer Arbeit sagen, „Jetzt bin ich genau da, wo ich hinwollte" – Wo sind Sie dann?
Wie sind Sie dann? Wie sehen dann Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen aus? Wie steht es dann um Ihren Beruf, Ihre Partnerschaft oder Ihre Familie?