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Natürlich sind bewegte Zeiten, selbst wenn man sie als belastend erlebt und sich möglicherweise auch überfordert fühlt, für sich allein genommen nichts Besonderes. Hier „heilt die Zeit oft alle Wunden“, wie man so sagt und nach einer Weile haben sich alle in ihren neuen Rollen und Zuständen gut zurecht gefunden.  (nach einem Zitat von Voltaire)

 

Aber manchmal – und das gar nicht so selten, wie man glaubt – gibt es Veränderungen, die tiefer gehen, die anhalten und die nicht einfach wieder verschwinden. Manchmal gibt es erforderliche Anpassungen, die uns einfach nicht gelingen wollen, oder wir haben Bedürfnisse, von denen wir nicht wissen, wie wir sie gestillt bekommen sollen und oft gibt es eine Menge „Du sollst“ und „Du darfst nicht“ und „jetzt komm schon“ oder „stell Dich nicht so an“, die uns überfordern und aus dem Gleichgewicht bringen.

Häufig gibt es Bilder und Vorstellungen in uns davon, „wie es sein soll oder gar sein muss“. Dann erleben wir, dass die Dinge in unserem Kopf und Bauch einfach nicht zu dem passen wollen, was gerade bei uns los ist. Uns überkommen Zweifel: „Bin ich vielleicht keine gute Mutter?“ „Kann ich überhaupt mein Kind lieben?“ „Bin ich denn jetzt überhaupt noch attraktiv und begehrenswert?“ oder „Hat meine Gefühlsachterbahn vielleicht ganz andere Wurzeln und geht es hier eventuell um etwas ganz anderes?“

Wir spüren möglicherweise, dass wir nicht die sind, für die wir uns gehalten haben oder für die uns jemand anderes gehalten hat oder es geschehen Dinge, mit denen wir niemals gerechnet hätten. Dinge, die uns überfordern, Dinge, die wir so nicht erwartet haben, die wir uns ganz anders vorgestellt haben, Dinge, die uns verletzen oder Dinge, die uns enttäuschen. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der es uns doch gut gehen muss!

Als peripartale Zeit wird jener Zeitraum rund um eine Geburt, also die Zeit der Schwangerschaft, der Entbindung und die Zeit, nachdem das Kind geboren wurde, genannt.

Nach meiner Überzeugung ist dieser Zeitraum wesentlich länger, als er gewöhnlich – insbesondere durch die medizinisch-somatische Betrachtung – beschrieben wird. Hier schließe ich mich der Betrachtung der Marcé Gesellschaft an, die in ihrer Positionserklärung den Zeitraum vom Beginn einer Schwangerschaft bis zum Ablauf des ersten Jahres nach der Geburt als peripartale Zeit definiert. Mindestens.

Meine langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass oft, insbesondere dann, wenn schon vorhergehende Schwangerschaften zur Biografie gehören oder Geschwisterkinder vorhanden sind, lange vor Beginn einer (erneuten) Schwangerschaft, emotionale Schwierigkeiten auftauchen können, die die Mütter mit ihren Familien beeinträchtigen und so die Familie in Bedrängnis bringen können.

 

Für manche Frauen stellt die peripartale Zeit einen Zeitraum dar, in der soziale und emotionale Einflüsse ein ganz besonderes Gewicht haben können und in der die Auswirkungen dieser Einflüsse in der Lage sind, das emotionale Wohlbefinden von Mutter und Kind aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Aus der Entwicklungspsychologie und der Bindungsforschung weiß man, dass Menschen ein angeborenes großes Bedürfnis haben, enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen. Dabei kommt der frühen Mutter-Kind Beziehung, die sich auf die emotionalen Bedürfnisse des Kindes konzentriert, eine besondere Bedeutung zu.
Theorien und Konzepte der Psychotherapie berücksichtigen die Bindungstheorie und unterscheiden verschiedene Bindungstypen von Kindern, die sich bereits in jungen Jahren auswirken und uns Erwachsenen zum Teil erhebliche Probleme bescheren.

Daher ist es nur allzu verständlich, dass sich eine wie auch immer beeinträchtigte peripartale Zeit nachteilig auf die Entwicklung von Mutter, Kind und Familie auswirken kann.

Bedeutung erlangen Bindungstypen dadurch, dass man weiß, dass wir Erwachsene, die wir mit einem speziellen Bindungstypus groß geworden sind, unseren Kindern einen entsprechenden Bindungstyp für ihr Leben mitgeben und diese sich damit auch auf zukünftige Generationen auswirken können.

Tragisch dabei ist, dass die Häufigkeit und die Tragweite der Schwierigkeiten vollkommen unterschätzt werden, was in hohem Maß dazu führt, dass Beeinträchtigungen unerkannt bleiben, Betroffene keine Hilfe erfahren und die Konsequenzen nicht nur für die Mütter erheblich sind.

Ein frühzeitiges Erkennen und Handeln ist daher sehr wichtig und hat enorme Auswirkungen auf Mutter- und Kinderseelen.

Hier werden Sie bald neue Inhalte finden. Sollten Sie neugierig auf das sein, was hier in Kürze zu
lesen sein wird, schauen Sie doch einfach bei Gelegenheit wieder vorbei …

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